Henrik Prinz

Digitale Fotografie
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Ist das Kunst?

Die Moderne ist eine längst vergangene Epoche. Ein Oxymoron. Wir haben diese Utopie – diesen Albtraum längst hinter uns gelassen. Duchamps Fountain ist fast 100 Jahre alt. Der Salon des Refusés als Analogie für das Brechen mit dem Zeitgeist und der zeitgenössischen Kunstvorstellung wurde zur Regel. Der Postmodernismus bricht diese Regel, und folgt damit in gewissem Sinne der klassischen Moderne. Und nun stehen wir da. Ohne Regel. Den Paradigmen der Postmoderne folgend kann es nur eine Definition von Kunst geben. Es ist Kunst, wenn jemand glaubt, dass es Kunst ist. Oder auch nicht.

Ich möchte diesen Kunstbegriff für mich enger fassen. Für mich ist etwas Kunst, wenn es unnütz ist, also keinem anderen Zweck dient, als sich selbst. Das ist die zweite Bedingung.

Die dritte Bedingung dient der Abgrenzung zum Kitsch. Und Kunst wird in dem Moment Kitsch, wenn die Bedeutung eindeutig ist. Eine Interpretierbarkeit muss immer gegeben sein.

Ich kann mich noch ziemlich genau an mein erstes Foto erinnern. Ich war fünf oder sechs Jahre alt, und mit meinen Eltern in Dänemark. Wir waren auf einer Düne, auf dem Weg zum Meer, und ich habe meinen Vater gefragt, ob ich auch mal ein Foto machen darf. Also bekam ich die alte Minolta meines Vaters zum ersten mal in meine Hände. Und ich kann mich noch an den Blick durch den Sucher erinnern. Es war unerwartet dunkel und durch die Mattscheibe betrachtet, bekam die Welt eine neue, grobkörnigere Qualität. Der blaue Himmel und die weißen Wolken standen endlich in einem angemessenen Kontrast zueinander. Der Blick in diesen kleinen Kasten hat mich umgehauen. Und dann habe ich etwas getan, das meinen Eltern merkwürdig vorgekommen ist. Statt, wie geplant, meine Eltern im Zentrum des Bildes ausgerichtet mit einem geraden Horizont zu fotografieren, habe ich mich dazu entschlossen, mehr von diesem wundervollen, kontrastreichen Himmel auf das Bild zu nehmen. Und beim Kippen der Kamera ins Hochformat, hat sich eine neue, interessante Perspektive ergeben. Ein schiefer Horizont sieht dynamisch und aufregend aus.

Film und Abzüge waren damals sehr teuer. Und ich konnte nicht verbalisieren, warum ich das Foto so gemacht habe, wie ich es gemacht habe. In diesem Urlaub durfte ich kein weiteres Foto machen.

In dem Infotext über Kunst (rechts oben) schreibe ich, dass Kunst interpretierbar sein muss. Dennoch gibt es in meiner Entwicklung einige Aspekte, die vielleicht falsch verstanden werden können. Natürlich – das bringt die Forderung nach Interpretierbarkeit mit sich. Aber ich möchte zumindest einen Aspekt erläutern. Der 'Fehler' in der technischen Umsetzung. Ich bin durchaus in der Lage, meine Kamera gerade zu halten, Beleuchtungskontraste nach Belieben zu kontrollieren, Makel mit der Bildbearbeitung wegzubügeln und störende Elemente aus dem Bild zu nehmen. Aber die etwas 'nachlässige' Lichtführung und die Dinge die im Bild verbleiben, und so einen Kontext erzeugen, die Abkehr von dieser speziellen Modell Kartei Ästhetik... All das ist kein Zufall, sondern gewollt. Eine bewusste Entscheidung. Auf gewisse Art und Weise ist das meine Interpretation einer Forderung der Moderne. Der Verzicht auf alles Schmückende, alles Ornamenthafte.

Wintermute was a simple cube of white light, that very simplicity suggesting extreme complexity.

William Gibson

Ironischer Weise hat der Begriff des 'White Cube' aber noch eine andere Bedeutung. In der Kunstwelt beschreibt er ein Ausstellungskonzept. Moderne und Zeitgenössische Kunst wird, diesem Konzept folgend, in weißen Räumen gezeigt, um Ablenkung zu vermeiden, und einen neutralen Raum zu schaffen. Aber es ist mehr als das. Im Laufe der letzten beiden Dekaden ist der Begriff zum Sinnbild der Maschinerie Kunstmarkt geworden und steht gleichermaßen auch für den Erfolgsdruck, dem sich hauptberufliche Künstler aussetzen. Der Künstler wird zur Marke, und den Mechanismen der Marktwirtschaft folgend muss diese Marke konsistent geführt werden. Einmal erfolgreich, ist der Künstler dazu verdammt, sich selbst zu kopieren bis der Markt gesättigt ist. Danach folgt irgendwann ein verkanntes Spätwerk.

Ich bin Amateur, und das zu sagen erfüllt mich mit Stolz. Ich muss mich keinem kommerziellen Druck beugen, und kann tun wozu ich Lust habe. Ich kann die Themen wählen, die mich gerade interessieren, ohne das ich auf Verkäufe Rücksicht nehmen muss.

Die Welt ist dabei, in Stücke zu fallen und Leute wie Adams und Weston fotografieren Felsen!

Henri Cartier-Bresson